Hondarribia - Grenzstadt mit viel Charme

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Die kleinen und übersichtlichen Städte in Spanien finde ich faszinierend, da sie immer etwas Spezielles auszeichnet. Hondarribia im Nordosten des Baskenlandes, gleich ennet der französischen Grenze, gehört dazu. Im ersten Moment fallen zwei Dinge auf: der leichte Salzgeruch des angrenzenden Atlantiks und die einzige, noch vollständig erhaltene Festung des Baskenlandes.

Wer früher von Frankreich nach Kastilien gelangen wollte, musste im französischen Hendaye den Fluss Bidasoa überqueren und an Hondarribia vorbei. Für die spanischen Herrscher war die Stadt ein wichtiger Verteidigungspunkt und Zentrum für Späher und Spione. Ihre Burg, die zentralen Plätze und wichtigen Gebäude wurden deshalb auf einem kleinen Vorgebirge mit guter Weitsicht, auch über das Grenzland, gebaut und galten als Schlüssel für die Einreise ins Land. Für die Verteidigung der Königreiche von Navarra und später auch von Kastilien und Aragón war Hondarribia strategisch sehr wichtig. Wären Feinde eingedrungen und hätten das Baskenland erobert, hätten die spanischen Königreiche den Zugang zum wirtschaftlich und militärisch wichtigen Atlantik verloren. Sie wussten, dass ihre Macht, nur als Binnen-Königreich, erheblich geschwächt würde. Immer wieder gab es grössere Schlachten und kleinere Scharmützel, doch blieb die Stadt, mit Unterstützung durch die spanischen Königreiche, uneinnehmbar. 1659 wurde in Hondarribia die Urkunde des “Friedens der Pyrenäen” zwischen Spanien und Frankreich unterzeichnet.


Wegen ihrer gewichtigen Bedeutung erhielt Hondarribia etliche Privilegien durch die Königshäuser. Die in der Region herrschenden Feudalherren konnten sich nicht einnisten und nach Belieben Steuern erheben. So gelang die Stadt zu Reichtum, der noch Heute in der Ausgestaltung seiner schmucken Gebäude und Plätze sichtbar ist. Die Stadt lebte vorwiegend von der Fischerei und vom Handel zu Wasser und zu Land mit dem benachbarten Frankreich. Bereits kurz nach der Stadtgründung gegen Mitte des 12. Jahrhunderts hatten sich die traditionellen Handwerksbetriebe angesiedelt und waren in den Zünften zusammengeschlossen. Es gab diese für die Kahnmacher, Bootszimmermänner, Eisenarbeiter, Köhler, Dolchmacher, Kaufleute, Weber, Schuhmacher, Müller und Gastwirte. Ihren heutigen Namen erhielt Hondarribia erst 1990, als die baskische Schreibweise als offiziell galt.


Auf dem Spaziergang durch das Santa-Maria Tor und die Kale Nagusia (Hauptstrasse) gelangst du zur Plaza de Armas und gleichzeitig zur Plattform der Altstadt. Vor dir, direkt über der Stadtmauer, steht die Festung, die Trutzburg. Das massive Steingebäude, das in den unteren Etagen kein einziges Fenster aufweist, ist König Karl V (1500-1558) gewidmet, obwohl es bereits 1190 durch König Sancho VI von Navarra (1133-1194) in erster Form eingeweiht wurde. Die Burg diente den Soldaten als Unterkunft und, noch wichtiger, als zentrales Munitionsdepot für die Region. Vor 60 Jahren wurde sie sanft renoviert und 1968 als urtümlich-historisches Gebäude in die Parador-Kette integriert.

📜 Sehr schön ist der Rundgang durch den alten Hafen mit den hölzernen Fischerbooten. Es riecht erfrischend nach Fischfang und dem Salzwasser des Atlantiks. Zwischen dem Hafen und der Altstadt laden unzählige Restaurants und Tapasbars - hier nennen sie sich Pinchobars - zum Verweilen und Probieren ein. Der Fischfang ist übrigens sehr berühmt, denn hier beziehen auch die Köche der Gourmetrestaurants des nahen San Sebastián ihre Fische, Muscheln und Krabben.